Yip Mans Unterrichtsmethode hing von Wissen, Talent, persönlichen
Angewohnheiten und Interessen des jeweiligen Schülers ab. Seine
innovative Methode des persönlich abgestimmten
Unterrichts sollte dazu dienen, jeden Schüler auf seine
Art, abhängig von seinen Trainingsangewohnheiten und seinen physischen
Fähigkeiten, im jeweils angemessenem Tempo vorankommen zu lassen.
Yip Mans Stärke war mit siebzig Jahren der eines jungen Mannes
ebenbürtig. Zehn Jahre zuvor kamen in Hong Kong wegen der grossen
Zahl von Banden Raubüberfälle
recht häufig vor. Eines Nachts versuchten zwei junge Schläger
Yip Man zu berauben, als er einen Spaziergang
unternahm. Onkel Yip verwendete einen hohen Pak
Sau um das von dem jungeren der beiden Angreifer gehaltene
Messer nach oben und aus der Gefahrenzone zu bringen, während
er den Schläger gleichzeitig mit einem Tritt nach hinten beförderte.
Bevor der andere Jugendliche Zeit hatte, die Situation zu erfassen,
drehte sich Yip Man zu ihm um und trat ihn ebenfalls, was den versuchten
Raubüberfall beendete.
Neben seiner lebenslangen Leidenschaft für dass Kung Fu interessierte
sich Yip Man auch für chinesische Kampfhunde
und Kampfhähne. In der Provinz Kanton gab es eine bestimmte
Hahnenart, die für ihre aggressive Natur und ihren Kampfgeist
berühmt war. Wann immer zwei Männchen dieser Spezies aufeinadertreffen,
beginnen sie sofort zu kämpfen, üblicherweise bis zum Tod.
Bei diesen Kämpfen, die Yip Man immer gerne anschaute, wiegen
beide Teilnehmer zuerst ihre Hähne auf sehr genauen Waagen, um
sicherzustellen, dass beide ungefähr das gleiche Gewicht haben,
so dass ein fairer Kampf gewährleistet
ist. Die beiden Hähne werden dann vorgezeigt und oft werden Wetten
abgeschlossen, bevor der Kampf beginnt. Diese Kampfhähne sind
so tapfer, dass sie auch wenn sie im Kampf eines ihrer Gliedmassen
verloren haben, tapfer weiterkämpfen
statt vor ihrem Gegner zu fliehen.
Ich wurde von meinem Onkel 1956 ermutigt, nach Taiwan zu gehen. Ich
repräsentierte dort das jung Volk Hong Kongs und erhielt private
Ratschläge von Prädident Chiang Kai-Shek.
Als ich später nach Hong Kong zurückkehrte, schalt mich
mein Onkel. Yip Man war der Ansicht, dass ich eine grosse Chance verstreichen
liess, und so kehrte ich 1960 nach Taiwan zurück,
um meinem Land damit zu dienen, dass ich die Militärschule besuchte
und die Kriegskünste als Feldkommandant erlernte.
1974 eröffnete ich mit viel Ermutigung
durch meinen Cousin Yip Chun eine Schule an der Pa Te Rd., in Taipei.
Zu jender Zeit war ich der einzige Wing Chun-Lehrer
in Taiwan. Wenn ich also heute darüber nachdenke, wird
mir klar, dass Yip Mans Absicht, als er mich zurückschickte,
war, dass ich mich meinem Land widme und helfe, das Kung
Fu in Taiwan zu fördern. Sein Wunsch ist heute erfüllt,
denn hier lernen inzwischen französische, amerikanische, englische,
südafrikanische, ostafrikanische, neuseeländische, deutsche
und schweizer Schüler. Bei den Asian
and World Kung Fu Contests erwarben sich die Mitglieder des Wing Chun-Teams
hohe Ehren und halfen so, den Wing Chun-Stil
in der Welt zu fördern.
Autor: Sifu Lo Man Kam
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